09.03.2020, von J. Rattke

Suit up! Ausbildungszug „Gefahrgut“ macht Halt in Hanau

Die DB Netz AG schulte am 4. März 18 THW Helferinnen und Helfer in Chemikalienschutzanzügen im Umgang mit Lecks an Kesselwagen.

Ein ganz besonderer Zug machte diese Woche am Hanauer Hauptbahnhof Station: Der Ausbildungszug ‚Gefahrgut‘ der DB Netz AG ist der einzige seiner Art. Bevölkerungsschutz-Organisationen in ganz Deutschland dürfen kostenlos an ihm üben, wie man Löcher und Risse wieder dicht bekommt und so im Ernstfall CBRN-Gefahren von Mensch, Tier und Umwelt abwendet.

Unter CBRN versteht man chemische (C), biologische (B) sowie radiologische (R) und nukleare (N) Gefahren. Um vor ihren Auswirkungen besser geschützt zu sein, gibt es im technischen Hilfswerk eine spezielle Ausbildung, die das richtige An- und Ablegen von Chemikalienschutzanzügen sowie das Tragen von Atemschutzgeräten umfasst.

3 Waggons - 3 Ausbildungsteile

Der Zug sowie die Ausbildung gliedern sich in drei Teile: Im Seminar-Wagen gab es eine kurzweilige Theoriestunde, im begehbaren Modell-Wagen wurde die Ventiltechnik erklärt und am Kesselwagen an neun einzeln ansteuerbaren Leckagen mit Wasser Undichtigkeit simuliert und geübt, diese Stellen wieder zu verschließen.

Dabei war durchaus Kreativität nötig: Hebekissen wurden kurzerhand mit Spanngurten an den Kesselwagen geschnallt, Leitern und Holzplanken herbeigeholt, Keile und Lappen mit Hämmern in Position gebracht. Fast alle Lecks konnten so verschlossen werden.

Leck Nummer neun sollte hauptsächlich eines zeigen: Es gibt Situationen, in denen nur Auffangen und Umpumpen hilft und in denen man sich am besten an die nächstgelegenen TUIS-Spezialisten wendet, das Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem der Chemie-Werkfeuerwehren.

Druckgaskesselwagen, Frachtbriefe, Gaspendelung, und, und, und...

Schulungsleiter Uwe Lindenberg und seine Mitarbeiter sind Teil des DB Notfallmanagements, sozusagen der “ADAC der Schiene”. Sie gaben den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der THW Ortsverbände Frankfurt, Friedberg, Bad Homburg, Idstein, Neuhof und Hofheim einen spannenden und umfassenden Einblick in das Thema Gefahrgut auf Schienen. Etwa 70 Millionen Tonnen davon rollen jedes Jahr durch Deutschland.

Dabei erklärten sie auch welche technischen und rechtlichen Besonderheiten auftreten können und welche Maßnahmen zum Eigenschutz getroffen werden müssen - durch so eine Oberleitung fließen immerhin 15.000 Volt. “Ich arbeite gerne mit dem THW zusammen”, meinte Lindenberg. “Die Einsatzkräfte sind immer sehr gut organisiert, das macht im Ernstfall vieles einfacher.”

Wissen, das Leben retten kann

Ganze 65 verschiedene Armaturen und Sicherheitsventile sind im Modell-Wagen verbaut. Diese Technik sehen Nicht-Eisenbahner selten aus der Nähe. Dabei ist es im Einsatzfall enorm wichtig, zu verstehen wie die Ventile und Sicherheitseinrichtungen funktionieren.

“Das Beste am Ausbildungszug: Hier darf man alles anfassen, auf- und zudrehen, schalten und klappen. Darum ist diese Lernerfahrung so wertvoll für unsere Helferinnen und Helfer”, sagte Magdalena Große-Bölting von der THW-Regionalstelle Frankfurt am Main, die die Ausbildung organisierte.

Das ganze Training macht Spaß, dient aber natürlich einem höheren Ziel: Dem Schutz der Bevölkerung. Was sich wohl die Zugreisenden am Hanauer Hauptbahnhof gedacht haben, als die Einsatzkräfte in voller CBRN-Montur auf dem roten Kesselwagen herum geklettert sind?


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